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Eine Zeit des Lesens

Zu Weihnachten und in der Zeit zwischen den Jahren wird Geschriebenes stärker wahrgenommen und geschätzt als sonst. Das macht diese Tage für mich noch wertvoller.


Über das Jahresende wird immer viel geschrieben und gesagt: Rückblicke sollen stattfinden, Lehren gezogen werden, Vorsätze gefasst. Die Beziehung zu den Verwandten wird aufs Korn genommen - ernsthaft oder satirisch. Es geht um die Rauhnächte, besondere Riten und Traditionen, das Böllern wird alljährlich erneut diskutiert. Diese letzten Tage des Kalenderjahres sind wirklich etwas Besonderes.


Es kann immer ein Buch sein.

(Mein Neffe mutmaßte, was in seinem Geschenk sei.)


Für die Buchbranche und besonders den Buchhandel fällt deutlich ins Gewicht, dass viele Bücher gekauft und verschenkt werden: Da wird ein Großteil des Jahresumsatzes im Dezember gemacht. Denn wie mein Neffe bei der Bescherung so schön sagte: "Es kann IMMER ein Buch sein." Allein schon in Buchhandlungen zu stöbern und den besten Lesestoffs für eine geliebte Person auszuwählen, hat einen eigenen Zauber.


Lesen


Aber mir geht es heute nicht ums Verschenken, sondern um das Erleben von Literatur und Texten, denn das nimmt bei den allermeisten Menschen einen wichtigen Platz ein, wenn sich das Jahr seinem Ende zuneigt.


Einerseits kehrt im besten Fall wirklich Ruhe ein, nachdem der Dezember besonders geschäftig war. Wir sind jetzt viel zu Hause, können uns mit uns selbst beschäftigen und haben Muße. Filme gehören dazu, aber eben auch das Lesen. Der Stapel ungelesener Bücher schrumpft endlich mal, statt dass er wächst. Auch für längere oder schwierige Werke ist jetzt die richtige Zeit. Dieses Jahr wage ich mich an "Der Herr der Ringe". So lange schon wollte ich diesen Klassiker anfangen, so oft wurde er mir empfohlen - von besagtem Neffen genau wie von Buchfreundinnen. Jetzt bin ich in der Stimmung, den dicken Wälzer zur Hand zu nehmen, der innerlich doch einen kleinen Angang bedeutet.


Frau mit weißem Pulli zieht aus dem Regal eine hochwertige Leinenausgabe eines literarischen Klassikers.

Vorlesen


Neben der Lese-Einkehr gibt es auf der anderen Seite gesellige Weihnachts- und Silvesterabende mit Familie und Freunden, die wir gerne feierlich gestalten. Da bietet es sich an, etwas vorzulesen: ein Gedicht, eine Anekdote, manche lesen aus der Bibel oder hören Predigten in der Kirche. Ob besinnlich oder witzig, bekannt oder neu, selbst verfasst oder aus einem Buch - verschiedene Arten von Texten haben einen festen Platz in der Weihnachtszeit.


Anhören


Und dann die Fahrerei ... Viele von uns sind auf den Straßen oder im Zug unterwegs, über lange Strecken, um ihre Familien zu sehen. Das sind kostbare Stunden, die man am besten mit einem erbaulichen (Hör-)Buch verbringt. Vielleicht ein weihnachtliches für den Hinweg, um sich in die richtige Stimmung zu versetzen? Für den Rückweg dann unbedingt etwas Humorvolles, um etwaige Missstimmungen abzuschütteln ... Wenn sich Neujahr nähert, darf es etwas von der Lieblingsautorin sein, um wieder ganz bei sich selbst anzukommen. Und für die ersten Tage des neuen Jahres liegt dann ein motivierendes Sachbuch bereit, das uns neuen Schwung gibt.


Und nun komme ich doch noch mit einem Vorschlag für einen guten Vorsatz: Wir könnten alle versuchen, uns etwas von der Ruhe zwischen den Tagen zu bewahren, ein wenig Kerzenlicht, Genussmomente und Lesestunden mitzunehmen und dafür in unserem normalen Alltag einen Platz zu schaffen. Ich nehme mir das vor - allein schon, weil "Der Herr der Ringe" nicht in fünf Tagen ausgelesen ist.

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